10.jpg
Letzter Einsatz: >Ölspurbeseitigung - Ölspurbeseitigung! < am 10.07.2020 um 13:33 Uhr

 

Der Mensch im Mittelpunkt:
Notfallsanitäter sind leidenschaftliche Helfer.

lebensretter 

Notfallsanitäter-Ausbildung

Dauer: Die Ausbildung zum Notfallsanitä-
ter dauert drei Jahre.
Gehalt: Die Ausbildung erfolgt im Öffent-
lichen Dienst. Das Lehrgehalt im ersten
Jahr beläuft sich auf etwa 1150 Euro, im
zweiten verdienen Azubis etwa 1300 Euro
und im dritten Lehrjahr 1400 Euro. Das Ein-
stiegsgehalt nach der Lehre beträgt rund
2700 Euro.
Voraussetzung: Mittlere Reife

Text und Fotos: Romina Suliani  

Marc-Andre Kloß weiß zu Beginn seines Arbeitstages nie, was ihn erwartet.

Ob es eine ruhige Schicht wird, oder ob er im Dauereinsatz ist. Ob es kleinere Einsätze sind, oder ob es um Leben und Tod geht.

Aber genau das macht für ihn einen Reiz seines Berufes aus. Marc ist in der 

Ausbildung zum Notfallsanitäter bei der Rettungswache Neheim der Stadt Arnsberg. Sein zweites Lehrjahr hat gerade begonnen. 

An diesem Sommertag führt ihn sein erster Einsatz in eine Arztpraxis. Die Arzthelferinnen haben den Notruf gewählt, weil
eine Patientin an einer heftigen allergischen Reaktion, einer sogenannten Anaphylaxie, leidet. Als Marc und sein Kollege eintreffen, ist das Gesicht der Patientin
rot gefleckt und stark geschwollen. Es drohen Atemprobleme. Im Gespräch mit der Ärztin findet das Notfall-Team heraus,

lebensretter2 Wenn kein Einsatz gefahren wird,
üben die Azubis gemeinsam mit ihren
Praxisanleitern an der Puppe wichtige
Handgriffe der Notfallversorgung.

dass die Patientin aufgrund eines grippalen Infekts Antibiotika genommen hat.Trotz erster allergischer Reaktionen 

nahm sie die Antibiotika weiter – und verstärkte so die Beschwerden, jetzt besteht akute Lebensgefahr. Das Team bespricht
kurz das weitere Vorgehen, Marc legt ihr einen intravenösen Zugang in den Arm und verabreicht ihr unter Beobachtung
seines Praxisanleiters drei Medikamente, die die Schwellung abklingen lassen und
die allergische Reaktion dämpfen. Die Zeit, auf einen Notarzt zu warten, haben
sie nicht. Dennoch wird er bestellt – das ist rechtlich so vorgesehen. Nachdem die
wichtigsten Hilfemaßnahmen eingeleitet sind, nimmt das Notfallsanitäter Team die Patientin im Rettungswagen mit und
bringt sie ins Krankenhaus. „Ich habe die Verantwortung für die Patienten, bis sie einem Notarzt oder dem Arzt im Zielkrankenhaus übergeben werden“, sagt Marc.
Wenn der 22-jährige Azubi zu einem Einsatz ausrückt, wird er immer von mindestens einem ausgebildeten Notfallsanitäter begleitet. Der steht ihm stets mit Rat
und Tat zur Seite – manchmal auch aus der Distanz. Ganz neu im Einsatz ist hierbei technisches High-End-Equipment. Ein
kleines, unauffälliges Gerät am Handgelenk, kaum größer als eine Smart Watch,
unterstützt die Retter im Einsatz. Es empfängt alle wichtigen Daten des mobilen EKG-Gerätes und stellt diese dar. „Nebenmedizinischen Kenntnissen und Empathie 

                        lebensretter3  

                    benötigt ein guter Notfallsanitäter auch ein extrem hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein“,

                    berichtet der leitende Ausbilder, Joachim Wilms.

Dies könne nur schwer an Puppen trainiert werden.
Es fehle die emotionale Bindung, um das Gefühl von Verantwortung für einen Patienten zu erfahren. „Wir untersuchen und versorgen den Patienten selbstständig“,
erklärt Marc. „Über das Display am Handgelenk verfolgen die Praxisanleiter die Situation mit bis zu 10 Meter Abstand und
können im Zweifelsfall zügig eingreifen, wenn sich Schwierigkeiten entwickeln könnten.“ Der Arnsberger Rettungsdienst ist in ganz NRW der erste, der diese innovative Technik nutzt.

„FÜR DIESEN JOB BRAUCHT MAN PASSION.“

 lebensretter4 
Marc-Andre Kloß ist 22 Jahre alt und in seinem zweiten
Lehrjahr zum Notfallsanitäter. An seinem Job mag er
besonders die stete Abwechslung.

Für Marc Kloß war übrigens sehr schnell klar, dass er einen Berufsweg im Rettungswesen einschlagen möchte. Seit
seinem zehnten Lebensjahr ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Geburtsort Unna. Nach seinem Realschul-
abschluss machte er zunächst eine Ausbildung als Chemikant, merkte aber, dass
er diesen Berufsweg nicht weiter verfolgen möchte.
Er absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr am Dortmunder Flughafen. „Ich bin mit Blaulicht groß geworden“, verrät
Marc: „Für mich war klar, dass ich Verantwortung übernehmen und Menschen
helfen möchte“. An der Schule des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Dortmund
durchlief er zunächst die Ausbildung zum Rettungssanitäter. Sein Ziel hatte er schon da vor Augen: Notfallsanitäter. Notfallsanitäter ist die höchste

nicht-aka-demische medizinische Qualifikation im Rettungsdienst.
Die Berufs- bzw. Tätigkeitsbezeichnung existiert in Deutschland seit 2014, ist aber
noch immer weitgehend unbekannt. „Wir haben ein Imageproblem“, sagt Joachim
Wilms. „Viele Menschen denken noch an die Zeit des Zivildienstes, an den freiwilligen Job des Sanitäters – aber der Notfallsanitäter ist eine ganz andere Liga.

Danach kommt nur noch der Notarzt.“ Der Gesetzgeber schreibt vor, dass ab 2027 jedes Rettungsfahrzeug mit mindestens einem Notfallsanitäter besetzt sein muss.
Um das leisten zu können, lautet die Devise: Ausbilden, ausbilden, ausbilden. Bei der Stadt Arnsberg werden den Azubis
attraktive Zusatzangebote angeboten:


Fahrsicherheitstraining, internationale Zertifizierungen in der Notfallversorgung und mehr.
Voraussetzung für eine Ausbildung zum Notfallsanitäter ist mindestens die Mittlere Reife. Außerdem müssen sich die Anwärter einem

Auswahlverfahren stellen. Einfühlungsvermögen, Anpassungsfähigkeit und eigenverantwortliches Arbeiten
sind laut Joachim Wilms wichtige Eigenschaften in dem Beruf. Auch körperliche Fitness wird verlangt, ein Sporttest gehört zur Aufnahmeprüfung:

„Unsere Leute müssen alles können. Egal ob allergischer Schock, Herzinfarkt, Schlaganfall
oder sonstige Notsituationen. Sie müssen immer wissen, was zu tun ist. Für diesen
Job braucht man Passion.“ Marc zeigt diese Leidenschaft. Er liebt den Nervenkitzel, wenn er in den Rettungswagen
zu einem Einsatz steigt. Und bei aller Ernsthaftigkeit im Job gibt er mit einem
Lächeln auf den Lippen zu: „Mit Blaulicht und Martinshorn durch die Straßen zu fahren, ist auch echt cool.“

 

 

Quelle: Ausbildungsmagazin ZEIG DICH Arbeitgeber